Kaffeewissen
Das Filterpapier ist das stillste Bauteil Ihrer Kaffeezubereitung. Niemand redet darüber, und doch entscheidet es mit, ob Ihr Kaffee klar und süß in der Tasse landet oder flach und papieren schmeckt. Zwischen einem dünnen Supermarktfilter und dem dicken Papier einer Chemex liegen Welten. Lange galt das Papier als reine Nebensache. Erst die Welle des Handfilterns rückte es ins Licht. Heute stehen im Regal gebleichte und ungebleichte Sorten nebeneinander, dazu konische und korbförmige Formen sowie Dauerfilter aus Metall und Stoff. Die Auswahl wirkt größer als die Frage dahinter. Am Ende halten Sie das Papier in der Hand und treffen die Wahl bewusst. Fangen wir bei der Frage an, die am meisten verändert: Was macht der Filter eigentlich mit Ihrem Kaffee?
Was das Filterpapier mit Ihrem Kaffee macht
Zuerst eine Klarstellung. Filterpapier und Kaffeefilter sind nicht dasselbe. Das Papier ist der Einwegfilter aus Zellulose. Der Kaffeefilter ist der Halter, der dem Papier seine Form gibt. Er besteht aus Porzellan, Glas oder Edelstahl. Beide gehören zusammen, denn ohne Halter endet Handfilterkaffee als Sauerei auf der Arbeitsplatte. Die Aufgabe des Papiers bleibt immer gleich. Es hält Sedimente und einen Großteil der Kaffeeöle zurück. Dadurch wirkt die Tasse klarer und leichter im Mund. Ein Metallfilter lässt mehr Öle durch und gibt dem Kaffee mehr Körper. Das dicke Papier einer Chemex geht den anderen Weg und filtert fast alles heraus, was bitter oder schwer wirkt.
Eine kurze Geschichte: Melitta Bentz und das Löschblatt
Vor dem Papier kam das Sieb. Wer um 1900 Kaffee trank, kämpfte mit Satz in der Tasse oder seihte den Sud durch ein Stück Stoff. Melitta Bentz aus Dresden beendete das im Jahr 1908. Sie nahm ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes und legte es in eine Blechdose mit gelochtem Boden. Fertig war der erste Papierfilter der Welt. Aus dieser Idee wurde ein Begriff. Das Wort Filtertüte gehört heute der Firma Melitta. Andere Hersteller nennen ihr Produkt deshalb schlicht Filterpapier oder Papierfilter. Gemeint ist meistens dasselbe: ein Papier in Tütenform, das den Kaffee vom Satz trennt.
Papier, Stoff oder Metall: die Materialfrage
Einwegfilter aus Papier bestehen aus kompostierbaren Zellulosefasern. Sie wandern nach dem Brühen samt Kaffeesatz in den Biomüll. Achten Sie auf das FSC Siegel auf der Packung. Es zeigt, dass das Holz für das Papier aus kontrollierter Forstwirtschaft stammt. Manche Hersteller mischen inzwischen Bambusfasern unter, was den Verbrauch von Frischfaser senkt. Dauerfilter gehen den umgekehrten Weg. Ein Metallsieb wie der klassische Standfilter braucht kein Papier und produziert kaum Müll. Dafür lässt es feines Kaffeemehl und Öle durch, was die Tasse trüber und schwerer macht. Feiner gewebte Metallfilter in Tütenform halten Sedimente zurück und lassen nur die Öle passieren. Für Freunde von vollmundigem Kaffee ist das ein Vorteil, kein Makel. Stofffilter aus Hanf oder Baumwolle liefern eine ähnlich klare Tasse wie Papier. Sie halten lange, brauchen aber Pflege. Nach jedem Gebrauch landen sie unter fließendem Wasser, regelmäßig auch im Topf mit kochendem Wasser. Wer den Aufwand scheut, bleibt beim Papier.
Gebleicht oder ungebleicht: die Farbe des Papiers
Filterpapier gibt es in Weiß und in Braun. Weißes Papier wurde gebleicht, heute fast immer auf Sauerstoffbasis. Frühere Verfahren mit Chlor verschwanden glücklicherweise vom Markt. Braunes Papier bleibt ungebleicht und trägt die natürliche Farbe der Faser. Die Sorge, das braune Papier schmecke nach Holz, hält sich hartnäckig. In Tests von Baristas und Laboren zeigt sich wenig Substanz dahinter. Der Unterschied im Glas ist winzig, sofern Sie das Papier vor dem Brühen ausspülen. Auch in der Ökobilanz liegen beide Varianten nah beieinander. Die Wahl bleibt damit Geschmackssache.
Konisch, flach oder korbförmig: die Form entscheidet mit
Auch die Form lenkt das Wasser. Ein konischer Filter läuft spitz zu und führt das Wasser zur Mitte. Dadurch verlängert sich der Kontakt zwischen Wasser und Kaffeemehl, und die Extraktion wird gleichmäßiger. Klassiker dieser Bauart sind das Papier der Chemex und das des Hario V60. Ein Filter mit flachem Boden, wie ihn Melitta prägte, verteilt das Wasser auf größerer Fläche. Bei ungenauem Aufguss extrahiert der Kaffee dann ungleichmäßig. Korbförmige Filter fassen große Mengen und stecken in vielen Filterkaffeemaschinen, etwa in einer Moccamaster. Die unterschiedlichen Modelle stellen wir im großen Moccamaster Vergleich gegenüber. Die kleine Schwester des Korbfilters ist der Kalita Wave, dessen Rillen das Papier vom Halter abheben und den Wasserfluss verbessern.
Wenn der Kaffee nicht schmeckt: meist liegt es am Mahlgrad
Sie spülten das Papier, ließen den Kaffee bloomen und gossen sauber auf. Trotzdem schmeckt es nicht. Dann sitzt der Fehler fast immer im Mahlgrad. Ein zu feiner Mahlgrad verlängert die Extraktion und holt zu viel Säure heraus, der Kaffee wirkt sauer und scharf. Ein zu grober Mahlgrad dreht das Bild um. Das Wasser läuft zu schnell durch, und der Kaffee bleibt fad und wässrig. Sieht der Kaffeesatz im Filter schlammig aus, stellen Sie den Mahlgrad eine Spur gröber. Gießen Sie beim nächsten Mal ruhiger auf, denn zu viel Bewegung im Filterbett stört die Extraktion ebenso. Das Filterpapier bleibt das günstigste Bauteil Ihrer Ausrüstung und zugleich eines der wirksamsten. Die richtige Form, die passende Größe und ein kurzer Spülgang vor dem Brühen holen spürbar mehr aus derselben Bohne heraus, ohne dass Sie an Mühle oder Maschine etwas ändern. Das passende Papier für Hario, Chemex, Kalita und die klassische Filtermaschine finden Sie in unserem Sortiment an Kaffeefiltern. Und wenn das Papier sitzt, fehlt nur noch die richtige Bohne dazu, frisch geröstet aus unserem Filterkaffee. Wir rösten in Berlin, Sie brühen zu Hause.
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