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mehrere Kaffeefrüchte an einem Ast, teilweise reif - Hintergrund

Kaffeewissen

Im 17. Jahrhundert blieben Frauen die Kaffeehäuser Europas verschlossen. Zweihundert Jahre später revolutionierte eine Hausfrau aus Dresden mit Löschpapier den Filterkaffee. Heute prägen Pionierinnen der Kaffeewelt von der Farm bis zum Cupping Table die internationale Specialty Coffee Szene. Die Geschichte des Kaffees erzählt sich oft als Männergeschichte. Tatsächlich tragen Millionen Frauen jede einzelne Bohne in deine Tasse. Sie ernten auf den Farmen in Äthiopien, Kolumbien und Honduras. Sie sortieren in den Aufbereitungsstationen. Sie kosten am Cupping Table und entscheiden, welcher Rohkaffee den Sprung über den Ozean schafft. Diese sechs Pionierinnen veränderten den Kaffee dauerhaft.

Stilisierte minimalistische Illustration von Erna Knutsen mit blondem Haar, Perlenkette und dunklem Blazer. Sie hält eine weiße Kaffeetasse in der Hand und sitzt vor einem roten Hintergrund

Erna Knutsen, die Godmother of Coffee 

Sie war die Grande Dame der Specialty Coffee Szene. 1974 führte Erna Knutsen den Begriff Specialty Coffee in den internationalen Sprachgebrauch ein. Bei der Gründung der Specialty Coffee Association of America wirkte sie maßgeblich mit. Geboren in Norwegen, wanderte sie als Kind in die USA aus. Dort trat sie in eine Branche ein, die ihr als Frau zunächst jeden Zugang verwehrte. Cupping Table und Röster blieben für sie tabu. Sie hielt durch. 1985 gründete sie Knutsen Coffee Ltd. und importierte hochwertige Rohkaffees direkt von den Farmern. Ein Zitat von ihr fasst ihren Werdegang trocken zusammen: Sie kaufte schlicht die Firma, in der sie zuvor schikaniert wurde, und entließ die Verantwortlichen. 1991 erhielt Erna Knutsen als erste Person überhaupt den SCA Lifetime Achievement Award. Mit 93 Jahren erklärte sie ihren Ruhestand. Sie verstarb 2018 im Alter von 96 Jahren. Wer heute von Specialty Coffee spricht, spricht ihre Sprache.

Melitta Bentz und der Kaffeefilter 

Für Ihren morgendlichen Filterkaffee gibt es eine direkte Verantwortliche. 1908 erfand Melitta Bentz in Dresden den Kaffeefilter. Die Idee entstand aus einem Ärgernis: Kaffeesatz in der Tasse. Bentz griff zu einem Messingtopf. Sie stampfte mit einem Nagel Löcher in den Boden, legte Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes ein und füllte gemahlenen Kaffee darüber. Das heiße Wasser tat den Rest. Bentz erfand nicht nur ein Produkt, das in unzähligen Haushalten weltweit steht. Sie zählte zu den ersten Frauen, die ihre Erfindung mit einem Patent absicherten. Aus dem Tüftelmoment in der Dresdner Küche entstand das Unternehmen, das bis heute ihren Namen trägt. Ohne sie sähe deine Filterkaffeezubereitung deutlich anders aus.

Illustration Melitta-Bentz
Susie-Spindler

Susie Spindler und der Cup of Excellence 

Mehr Geld für die Farmer, mehr Transparenz im Einkauf, mehr Aufmerksamkeit für außergewöhnliche Qualitäten. Diese drei Anliegen trieben Susie Spindler an, als sie 1999 den Cup of Excellence ins Leben rief. Bis heute gilt dieser Wettbewerb als das anerkannteste Cupping für Spezialitätenkaffees weltweit. Drei Wochen dauert ein Cup of Excellence in einem teilnehmenden Land. Mehrere tausend Farmer reichen ihre Samples ein. Internationale Cupper verkosten und bewerten. Am Ende landen die Siegerkaffees in einer Onlineauktion und erzielen Preise, die ein Vielfaches der Marktpreise übersteigen. Der Großteil dieser Summen fließt direkt an die Farmer. Spindler gründete dazu die gemeinnützige Alliance for Coffee Excellence und führte sie von 2002 bis 2014 als Geschäftsführerin. Seit 2016 arbeitet sie erneut für die Organisation. Was der Cup of Excellence in den vergangenen 25 Jahren veränderte, lässt sich kaum überschätzen. Erstmals trafen Farmer ihre Käufer direkt am Cupping Table. Ein Austausch entstand, der zuvor schlicht nicht stattfand.

Trish Rothgeb und die Dritte Welle 

Den Begriff Third Wave Coffee kennen heute alle, die Kaffee ernst nehmen. Trish Rothgeb prägte ihn maßgeblich mit. Sie war die erste Q Graderin in den USA und Gründungsmitglied der Barista Guild of America. Damit gehörte sie zu einer extrem kleinen Gruppe von Frauen, die in der amerikanischen Röstergilde überhaupt Mitglied wurden. Sie war die erste. Rothgeb arbeitete in nahezu jeder Position der Kaffeebranche. Sie röstete, kaufte Rohkaffee ein und unterrichtete bis 2016 als Leiterin der Q and Educational Services am Coffee Quality Institute. Mit ihrem Mann führt sie das Wrecking Ball Café in San Francisco. Bevor sie zum Kaffee fand, studierte sie Design und Kunst. Diese Mischung aus Handwerk, Wissenschaft und Ästhetik prägt bis heute die Specialty Coffee Szene. Wer einen Pour Over in einem stilvoll eingerichteten Café in Berlin trinkt, schmeckt das Erbe der Dritten Welle. Trish Rothgeb hatte daran erheblichen Anteil.

Trish-Rothgeb

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