Während in Berlin die Temperaturen fallen und die ersten Kaffeespezialitäten der nächsten Saison in den Schaufenstern erscheinen, passiert auf der anderen Seite der Welt etwas, das unmittelbar mit Ihrer nächsten Tasse zusammenhängt: Die Ernte beginnt. In den Hochlagen Äthiopiens und auf den Andenhängen Kolumbiens werden in diesen Wochen die Kirschen gepflückt, die Sie in einigen Monaten als fertig geröstete Bohne in Händen halten.
Dieser Weg ist länger und präziser, als er auf den ersten Blick erscheint. Und er erklärt, warum zwei Kaffees derselben Röstung aus zwei verschiedenen Ernten nie exakt gleich schmecken.
Äthiopien: Wo Kaffee seinen Ursprung hat
Äthiopien gilt als Geburtsland des Kaffees. Die Legende des Ziegenhirten Kaldi, der seine Tiere nach dem Genuss von Kaffeekirschen ungewöhnlich munter beobachtete, stammt aus diesen Bergen. Was als Mythos klingt, hat einen realen Hintergrund: In den Wäldern der wächst Coffea arabica bis heute wild und ohne menschliches Zutun.
Die Haupternte in Äthiopien findet zwischen Oktober und Januar statt, in den Hochlagen der Regionen Yirgacheffe, Sidamo und Guji auf Höhen zwischen 1.500 und 2.200 Metern. Diese Höhe ist entscheidend. Kühlere Temperaturen verlangsamen das Wachstum der Kaffeefrucht, was dem Zucker mehr Zeit gibt, sich in der Kirsche zu entwickeln. Das Ergebnis ist eine geschmackliche Komplexität, die Tieflandkaffees selten erreichen.
Äthiopische Kaffees aus diesen Regionen zeichnen sich durch florale und zitrusartige Noten aus, oft begleitet von einer deutlichen Fruchtsäure und einem langen Abgang. Wer einmal einen natural-prozessierten Yirgacheffe getrunken hat, wird verstehen, warum diese Bohne für viele Kenner eine eigene Kategorie bildet.
Kolumbien: Präzision am Berghang
Kolumbien erntet zweimal im Jahr. Die Haupternte, die sogenannte Cosecha Grande, fällt je nach Region zwischen Oktober und Februar. In Nariño, einer der südlichsten und höchstgelegenen Anbauregionen des Landes, beginnt sie etwas später als im Norden.
Was Kolumbien als Herkunftsland auszeichnet, ist die kleinstrukturierte Landwirtschaft. Die meisten Kaffeebauern bewirtschaften Flächen von weniger als zwei Hektar. Das ermöglicht eine Sorgfalt in der Selektion, die auf großen Plantagen kaum möglich ist: Nur vollreife Kirschen werden gepflückt, oft mehrfach pro Saison, weil die Kirschen eines Strauchs nicht gleichzeitig reifen.
Kolumbianische Hochlandkaffees bringen typischerweise eine ausgewogene Säure, nussige und karamellartige Noten und einen runden Körper. Sie sind zugänglich und dennoch komplex, ein Profil, das sich sowohl für den Filterkaffee am Morgen als auch für den Espresso am Nachmittag eignet.
Eine Kaffeebohne, die langsam reift, hat mehr zu erzählen als eine, die es eilig hatte.
Was zwischen Ernte und Röstung passiert
Der Weg von der geernteten Kirsche zur grünen Rohkaffeebohne ist kein passiver Prozess. Er beginnt mit der Aufbereitung, einer der wichtigsten Entscheidungen, die den späteren Geschmack bestimmt.
Beim Washed-Verfahren wird die Kaffeefrucht zunächst entpulpt, dann fermentiert und schließlich gewaschen. Das Ergebnis ist ein sauberes, klar definiertes Geschmacksprofil, bei dem die Herkunftsnoten des Bodens und der Höhenlage besonders deutlich hervortreten. Kolumbianische Kaffees werden häufig auf diese Weise aufbereitet. Kaffees, die mit dem Washed-Verfahren aufbereitet wurden, finden Sie hier.
Beim Natural-Verfahren trocknet die ganze, unverarbeitete Kirsche in der Sonne, oft auf erhöhten Trockentischen, damit die Luft von allen Seiten zirkulieren kann. Das Fruchtfleisch bleibt während des Trocknungsprozesses um die Bohne, was zu intensiveren, fruchtbetonten Noten führt. Äthiopische Naturals aus Guji oder Yirgacheffe schmecken oft nach Beeren, Passionsfrucht oder dunkler Schokolade. Kaffees, die mit dem Natural-Verfahren aufbereitet wurden, finden Sie hier.
Es gibt noch einen dritten Weg, den Honey-Prozess, bei dem ein Teil des Fruchtfleisches an der Bohne verbleibt. Er liegt geschmacklich zwischen washed und natural: runder als ersteres, weniger intensiv als letzteres. Kaffees, die mit dem Honey-Prozess aufbereitet wurden, finden Sie hier.
Wenn Sie das nächste Mal eine Kaffeepackung in der Hand halten, lohnt ein Blick auf die Angaben zur Aufbereitung. Sie sagen mehr über den Charakter des Kaffees aus als viele andere Informationen auf der Verpackung.
| 01 Ernte | Nur vollreife Kirschen werden gepflückt, oft in mehreren Durchgängen pro Strauch, da nicht alle Früchte gleichzeitig reifen. |
| 02 Aufbereitung | Je nach Methode – Washed, Natural oder Honey – wird die Kirsche verarbeitet und getrocknet. Diese Entscheidung prägt das spätere Geschmacksprofil erheblich. |
| 03 Transport | Der Rohkaffee wird in Jutesäcken verschifft und im Lager des Rösters eingelagert. Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Bohne auch in dieser Phase. |
| 04 Röstung | Das Röstprofil entscheidet, welche Aromen der Bohne hervorgehoben werden. Jede Ernte wird vor dem Rösten verkostet und das Profil entsprechend angepasst. |
| 05 Ihre Tasse | Monate nach der Ernte halten Sie das Ergebnis in den Händen. Was Sie schmecken, ist die Summe aller Entscheidungen auf diesem Weg. |
Was die Ernte mit Ihrer Tasse verbindet
Zwischen dem Moment, in dem eine Kaffeebauerin in Sidamo eine Kirsche pflückt, und dem Moment, in dem Sie Ihre Tasse in den Händen halten, liegen mehrere Monate und viele Entscheidungen. Transport, Lagerung im Rohkaffeelager und das Röstprofil kommen nach der Aufbereitung hinzu.
Jede Ernte ist anders. Regenmengen, Temperaturen und der genaue Erntezeitpunkt variieren von Jahr zu Jahr. Das ist kein Mangel, sondern ein Merkmal. Ein Kaffee, der immer gleich schmeckt, wurde dafür bearbeitet. Ein Kaffee, der die Ernte abbildet, zeigt Ihnen etwas Echtes.
Wie Sie Herkunft in der Tasse erkennen
Herkunft zu schmecken ist lernbar. Ein paar Anhaltspunkte helfen beim Einstieg:
Säure ist kein Fehler, sondern ein Hinweis auf Höhe. Kaffees aus Hochlagen über 1.800 Metern haben eine lebhafte, manchmal zitrusartige Säure. Tieflagenkaffees sind weicher und körperreicher.
Florale Noten deuten fast immer auf Äthiopien hin, besonders auf Washed-Kaffees aus Yirgacheffe oder Guji. Wenn Ihr Kaffee nach Jasmin oder Bergamotte riecht, ist die Herkunft häufig dort zu suchen.
Nussige und schokoladige Noten sind typisch für mittelamerikanische und kolumbianische Kaffees, besonders bei mittlerer Röstung. Sie sind der Grund, warum diese Profile so gut mit Milch harmonieren.
Fruchtige, fast weinartige Tiefe ist das Erkennungszeichen äthiopischer Naturals. Wer diesen Stil mag, hat meist eine klare Präferenz für Herkunftskaffees aus dem ostafrikanischen Hochland.
Wie wir bei der Berliner Kaffeerösterei auswählen
Unsere Rohkaffeeeinkäufer cuppen, also verkosten, jede Ernte vor dem Einkauf mehrfach blind. Dabei wird geprüft, ob das Lot die Qualitätserwartungen erfüllt, die wir mit dem Herkunftsland und der Region verbinden. Ein äthiopischer Kaffee aus Guji, der keine florale Note zeigt, entspricht nicht unserem Profil für diese Region, auch wenn er technisch einwandfrei ist.
Für Sie bedeutet das: Wenn eine Herkunft auf unserer Tüte steht, hat sie einen Grund. Wir rösten keine Kaffees, die wir nicht zweifelsfrei einer Region zuordnen können, und wir machen keine Versprechen über Geschmacksprofile, die wir nicht selbst geprüft haben.
Das aktuelle Sortiment mit Kaffees aus Äthiopien, Kolumbien und weiteren Herkunftsländern finden Sie in unserem Kaffeeshop.
Café de Olla
Mexikanischer Gewürzkaffee mit Zimt und Rohrzucker. Traditionell im Tontopf zubereitet, heute auf dem Herd genauso gut. Für 2 Tassen, ca. 10 Minuten.
Zutaten
500 ml Wasser |
ZubereitungWasser, Zimtstange, Rohrzucker und Nelke in einem kleinen Topf aufkochen, bis der Zucker vollständig aufgelöst ist. Hitze reduzieren, Kaffeepulver hinzufügen und drei Minuten bei niedriger Hitze ziehen lassen, ohne zu kochen. Vom Herd nehmen, zwei Minuten ruhen lassen, dann durch ein feines Sieb in die Tasse gießen. Ohne Milch servieren. |
Variante: Mit Sahne +
Wer es etwas lichter mag, lässt einen Spritzer kalte Sahne langsam auf die Oberfläche gleiten, ohne umzurühren. Die Sahne mildert die Intensität, ohne die Zimtnote zu überdecken.
Kurz erklärt
Wann findet die Kaffeeernte in Äthiopien statt?
Die Haupternte in Äthiopien findet zwischen Oktober und Januar statt, in den Hochlagen der Regionen Yirgacheffe, Sidama und Guji auf Höhen zwischen 1.500 und 2.200 Metern. Die genaue Zeitspanne variiert je nach Region und Höhenlage.
Was ist der Unterschied zwischen Washed und Natural?
Beim Washed-Verfahren wird die Kaffeefrucht entpulpt, fermentiert und gewaschen. Das Ergebnis ist ein sauberes, klar definiertes Geschmacksprofil, bei dem Herkunftsnoten besonders deutlich hervortreten. Beim Natural-Verfahren trocknet die ganze Kirsche in der Sonne, was zu intensiveren, fruchtbetonten Noten führt, oft nach Beeren oder dunkler Schokolade.
Warum schmeckt Hochlandkaffee komplexer?
Kühlere Temperaturen in großen Höhen verlangsamen das Wachstum der Kaffeefrucht. Das gibt dem Zucker mehr Zeit, sich in der Kirsche zu entwickeln, was zu einer geschmacklichen Vielschichtigkeit führt, die Tieflandkaffees selten erreichen. Kaffees über 1.800 Metern Höhe zeigen das besonders deutlich.
Wie oft wird Kaffee in Kolumbien geerntet?
Kolumbien erntet zweimal im Jahr. Die Haupternte, die sogenannte Cosecha Grande, fällt je nach Region zwischen Oktober und Februar. Eine zweite, kleinere Ernte folgt im Frühjahr. Diese doppelte Ernte macht Kolumbien zu einem der wenigen Länder mit ganzjähriger Kaffeeversorgung.
Woran erkenne ich die Herkunft im Geschmack?
Florale und zitrusartige Noten mit lebhafter Säure deuten meist auf äthiopische Hochlandkaffees hin. Nussige, karamellartige Noten mit rundem Körper sind typisch für kolumbianische Kaffees. Die Aufbereitungsmethode beeinflusst das Profil zusätzlich: Naturals wirken fruchtiger, Washed-Kaffees sauberer und klarer.
Wo finde ich Kaffees aus Äthiopien und Kolumbien bei der Berliner Kaffeerösterei?
Das aktuelle Sortiment mit Kaffees aus beiden Herkunftsländern finden Sie in unserem Kaffeeshop. Welche Lots aus der aktuellen Ernte verfügbar sind, aktualisieren wir regelmäßig.